Drei Fragen an … Autor Raimon Weber

Herr Weber, Sie schreiben auch Hörspiele. Inwiefern unterscheidet sich das Schreiben von Hörspielen vom Schreiben von Romanen?

Schreiben ist für mich wie das Komponieren von Musik. Die Sprache muss klingen. Wenn in einem Roman eine vielleicht nicht so ganz gelungene Formulierung in der Menge der Zeilen übersehen wird, bleibt dem aufmerksamen Hörer nichts verborgen.

Daher müssen den Sprechern von Hörspielen glaubwürdige, authentische Sätze in den Mund gelegt werden.

Und sie müssen auch leicht über deren Lippen kommen. In meinem allerersten Hörspiel-Skript stand folgender Satz: „Da vorn steht Cliffs Chrysler!“ Wenn man den Satz ausspricht, wird man nachvollziehen können, warum der Chrysler zum Ford wurde.

Den größten Unterschied zum Roman macht bei mir die Geschwindigkeit des Schreibens aus. Ein Hörspiel geht mir in der Regel sehr flott von der Hand. Vorausgesetzt, der Plot ist im Vorfeld ausgearbeitet worden. Da hilft zum einen die Benutzung eines Drehbuch-Programms wie etwa Final Draft und natürlich die akustische Umsetzung von Geräuschen und Atmosphären. Wo ich im Roman nach fesselnden Formulierungen für schlechtes Wetter suchen muss, lautet meine Regieanweisung im Hörspiel „mittelstarker Sturm mit Regen“.

Allerdings bleibt für die Charakterzeichnung der agierenden Personen weit weniger Raum als in einem Roman. Die kann nur über die individuelle Ausdrucksweise – melancholisch, stoisch, ängstlich, ständig unter Strom – der Protagonisten vollzogen werden.

Aber eines haben Roman und Hörspiel unbedingt gemein: Alle Personen müssen glaubwürdig sein.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Schlüssel zu einem guten Spannungsroman?

Ein Journalist formulierte es mal so: „Webers besonderes Talent besteht darin, den Leser in die Ängste, die Panik seiner Personen eintauchen zu lassen. Man spürt die Glaubwürdigkeit der Akteure und leidet mit ihnen, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.“ Vielen Dank dafür! Wenn mir das gelingt, bin ich darüber sehr froh. Wie furchtbar, wenn es dem Leser völlig egal wäre, ob unser Held oder unsere Heldin am Ende überlebt oder unter Qualen stirbt!

Sie müssen vom Leser verstanden und akzeptiert werden. Ja, so hätte ich in der Situation auch gehandelt.

Dem Leser müssen die Hauptfiguren sympathisch sein, er muss mit ihnen leiden können, in ständiger Sorge sein. Oh nein, nicht noch ein Schicksalsschlag! … Nicht weiter, das ist sicher eine Falle!

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Angst. Eine Angst, der wir selbst auf gar keinen Fall ausgesetzt werden wollen. Ich bevorzuge das Klaustrophobische. Die Gefahr, den Horror auf begrenztem Raum. Sei es der Keller, die Metro-Bahn oder das eingeschneite Hotel in den Bergen. Nein, es gibt kein Entkommen und Hilfe ist auch nicht unterwegs.

Und immer wieder die Suche nach starken Bildern.

Ich weiß noch, wie ich vor einem sehr düsteren und sehr tiefen Teich stand. Augenblicklich entstand in meiner Fantasie folgendes Bild: Winter, der Teich ist zugefroren, Schneeverwehungen zeichnen ein bizarres Muster auf die Eisfläche. In der Mitte, weit weg vom Ufer, steht ein Kind. Und dann beginnt dieses Kind damit, auf der Stelle zu hüpfen. Aus der Vogelperspektive sehen wir, dass es bereits von feinen Rissen im Eis umgeben ist. Wie ein Adergeflecht, das sich immer weiter ausbreitet.

Erst war dieses Bild in mir, dann entstand daraus die Story zum Roman Eis bricht.

 

Hätten Sie drei Tipps für Autoren auf Verlagssuche?

Ein packendes, nicht zu langes Exposé. Mit einer zusätzlichen, markanten Textprobe.

Ein origineller und glaubwürdiger Plot, der vielleicht mal an einem der eher unüblichen Orte spielt. (Gibt es z.B. schon einen Spitzbergen-Krimi?)

Niemals für die Veröffentlichung eines Buches bezahlen! Egal, ob der Verlag eine komplette Finanzierung fordert oder den so genannten Druckkostenzuschuss anbietet.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein solcher Verlag, der durch die Zahlung bereits voll in der Gewinnzone ist, das Buch bewirbt und vernünftig vertreibt. Der Autor bekommt, je nach Vertrag, fünfhundert, tausend oder mehr Exemplare geschickt, die er höchstwahrscheinlich niemals unter die Leute bringen kann. Da stehen dann nur ein paar Kisten im Keller, die Platz wegnehmen.

 

Raimon Weber, in Unna geboren, lebt mit seiner Familie und der Katze „Flummi“ aus Überzeugung in der westfälischen Provinz. Seit 1998 veröffentlicht er erfolgreich Kriminalromane, Thriller und Hörspiele. Seit Monaten stürmen die Bände seiner E-Book-Serie DIE GEHEIMEN AKTEN DES SIR ARTHUR CONAN DOYLE um den Sherlock-Holmes-Erfinder die Bestsellerlisten. Nach dem hochgelobten Thriller EIS BRICHT erscheint im November 2016 der neue Roman DIE BLUTMAUER im Ullstein Verlag. 

www.deintextdeinbuch.de

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