Drei Fragen an … Autor und Lektor Jan Wielpütz

Jan, du bist Autor, Ghostwriter, Übersetzer und Lektor. Wie kam es zu diesen verschiedenen Berufen rund um das Buch?

Ich habe mir das Studium mit dem Übersetzen und Redigieren von Romanen finanziert und danach viele Jahre als Lektor in einem großen Publikumsverlag gearbeitet. In dieser Zeit habe ich auch mit dem Schreiben eigener Bücher begonnen – der Erstling, „Generation Doof“, war dann gleich ein voller Erfolg. Die verschiedenen Jobs rund ums Buch haben sich also mit der Zeit ergeben, und für einen freiberuflichen Autor kann es nicht schaden, einen kleinen Bauchladen mit Leistungen zu haben, die man anbieten kann. Jede ist unterschiedlich: Während das Übersetzen zum Beispiel viel sprachliches Gespür erfordert, bringt mich die Arbeit als Ghost immer wieder mit ungewöhnlichen Menschen und Themen zusammen. So ist die Arbeit vielseitig und abwechslungsreich, was meine Kreativität insgesamt auf Trab hält.

 

Du schreibst deine Bücher unter dem Pseudonym Stefan Bonner zusammen mit deiner Co-Autorin Anne Weiss. Wie läuft das Schreiben zu zweit ab? 

Wir teilen die Kapitel und Themen zunächst untereinander auf. Dabei spielen natürlich persönliche Interessen und Neigungen eine große Rolle. Bei unserem aktuellen Buch „Wir Kassettenkinder – Eine Liebeserklärung an die Achtziger“ hat sich zum Beispiel Anne, die damals auf unzähligen Demos war, um das Kapitel gekümmert, in dem es um die Friedensbewegung und die Umwelt geht, während ich das Kapitel über Computerspiele und Videorekorder bearbeitet habe – wohl beides damals eher Jungsthemen. Steht der erste Entwurf, tauschen wir die Kapitel aus und redigieren, ergänzen, bringen eigene Ideen zum jeweiligen Thema ein. Dabei hilft uns, dass wir einen ähnlichen Schreibstil haben. 
Das Ganze kann ein langer Prozess sein, bei dem man sehr kritikresistent sein muss und sich selbst und den anderen sehr gut kennenlernt. Doch die Mühe lohnt sich – als Schreibbuddys treiben wir uns gegenseitig an, das Beste aus den Texten herauszuholen. Außerdem produzieren zwei Köpfe immer mehr Ideen als einer, sodass wir selten in einer Sackgasse landen. Und wenn doch, fällt garantiert einem von uns ein Ausweg ein.

 

Welche Rolle spielt das Exposé zum Buch beim Schreibprozess und welche Informationen muss es auf jeden Fall enthalten?



Das Exposé kann zwei wichtige Funktionen haben: als Handwerkszeug beim Planen des Buches und als Infomaterial beim Verkaufen des Buches. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen beim Bücherschreiben. Manche Autoren schreiben lieber drauf los und sehen, wie sich Geschichte und Figuren entwickeln. Andere erarbeiten ausgefeilte Exposés, die bis zu einer detaillierten Kapitelfolge gehen. Beides kann funktionieren. Ich bin eher der Exposétyp, weil ich wissen möchte, wo die Reise hingeht. Gerade bei einem Sachbuch hilft mir das Exposé, über die Struktur und Argumentationsführung klar zu werden. Bei einem Roman schaffe ich mir ein genaueres Bild über die Figuren und ihre Ziele, Träume und Ängste. Außerdem lege ich die wichtigsten Plotpoints fest, sodass ich beim Schreiben immer eine Orientierungsmarke habe. 
Das Exposé wird aber spätestens dann wichtig, wenn eine Autorin oder ein Autor ihr/sein Buch an eine Agentur oder einen Verlag schickt. Dann wird es zu einer Art Verkaufsprospekt, wie ihn auch ein Immobilienmakler nutzt. Es sollte daher alle wesentlichen Informationen enthalten, um einem Agenten oder Verlag die Entscheidung zu ermöglichen, ob er das Werk unter Vertrag nehmen möchte. Dazu gehört zunächst eine genaue Einordnung des Buches: Wie viele Seiten umfasst es? Ist es Sachliteratur oder Belletristik, und welchem Genre gehört es an? Sowohl Sachbücher als auch Romane kennen Genres: Ist das Sachbuch also beispielsweise eine Biografie oder ein politisches Debattenbuch? Ist der Roman ein Krimi oder Thriller? Danach ist es wichtig, einen kurzen, aber präzisen Überblick über den Inhalt zu geben. Bei einem Roman sollten die wichtigen Figuren und der Handlungsablauf beschrieben werden, und zwar Anfang, Mitte und Ende der Story, also nicht nur ein Anreißertext, sondern auch die Auflösung – Agenten und Lektoren wollen wissen, ob ein Autor seine Story im Griff hat und ob die Dramaturgie und das Ende stimmen. Bei einem Sachbuch sollte mir das Exposé die These des Buches erklären und Struktur und Argumentationsführung beschreiben. Und zu guter Letzt sollte es wesentliche Informationen über den Autor enthalten, nämlich solche, die erklären, warum er der Richtige ist, um dieses Buch zu schreiben. Ist eine Krimiautorin zum Beispiel selbst Polizistin oder Pathologin? Ist ein Sachbuchautor Experte auf seinem Gebiet? Solche Infos gehören unbedingt ins Exposé.

 

 

Jan F. Wielpütz arbeitete nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Germanistik als Verlagslektor bei BASTEI LÜBBE und leitete mit seiner Co-Autorin Anne Weiss zusammen die Bastei Lübbe Academy, Deutschlands erste verlagseigene Autorenschule. Unter dem Pseudonym Stefan Bonner schrieb er mit Anne Weiss erfolgreiche Sachbücher, darunter einen der meistverkauften Bestseller des letzten Jahrzehnts: Generation Doof. Auch ihr jüngstes Buch Wir Kassettenkinder – Eine Liebeserklärung an die Achtziger stand viele Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Seit 2015 arbeitet Jan Wielpütz als freier Autor, Ghostwriter, Übersetzer, Lektor und Dozent.

 

 

www.deintextdeinbuch.de

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