Drei Fragen an … Autorin Lisa Bitzer

 

Lisa, du schreibst unter verschiedenen Pseudonymen. Wie hast du die jeweiligen Pseudonyme ausgewählt?

Das ist eigentlich jedes Mal unterschiedlich. Eines meiner Pseudonyme setzt sich beispielsweise aus der ersten Silbe meines Vornamens und der ersten Silbe des Vornamens meiner damaligen Co-Autorin zusammen. Für den Nachnamen haben wir uns einfach an unserer Schulzeit bedient: Wir hatten denselben Mathelehrer. Dessen Nachnamen haben wir dann für das Pseudonym verwendet, welches allerdings ein sogenanntes geschlossenes Pseudonym ist, d.h. nur der Verlag weiß, wie der Autor in Wirklichkeit heißt.

Für ein anderes geschlossenes Pseudonym habe ich meinen zweiten Vornamen und den Mädchennamen meiner Mutter verwendet. Das ist insofern besser als die oben beschriebene Variante, weil kein Kunstname herauskommt, sondern einer, der sich sehr authentisch anhört.

Die erfundenen Namen werden entweder von mir oder vom Lektorat des Verlags entwickelt, manchmal haben sie dann auch einen Bezug zum Buch. Vor Kurzem ist zum Beispiel „Nichts ist scheißer als Platz zwei“ bei Lübbe erschienen, ein lustiges Sachbuch, in dem ich die bekanntesten Zweitplatzierten der Weltgeschichte aufliste. Der Verlag hat mir damals als Pseudonym Victoria Seconda vorgeschlagen, und ich fand das passend zum Buch – auch wenn der Name total ausgedacht klingt.

 

Worauf sollte man als Autor bei der Auswahl des Pseudonyms achten?

Je echter ein Name klingt, desto besser. Zum einen, weil das Pseudonym dann glaubhaft ist. Zum anderen, weil man sich diese Namen besser merken kann. Walpurga Heidewitzka klingt vielleicht im ersten Moment super und sehr originell, aber kein Mensch wird ihn sich merken, geschweige denn schreiben können. Zudem sollte das Pseudonym auch zum Genre passen. Wenn ich ein Buch von Josefine Marie Lindenbaum kaufe, erwarte ich keine Schlachtplatte, sondern was mit Herz. Was natürlich nicht heißt, dass Josefine Marie Lindenbaum keinen blutigen Thriller schreiben darf – aber vielleicht wäre in diesem Fall eine Variation ihres Namens besser, zum Beispiel Josy Lind oder Linda Joseph, was genauso gut ein Autor aus dem englischsprachigen Raum sein könnte, und die Spannungsliteratur aus den USA oder England genießt bei uns ja ein sehr hohes Ansehen.

Hilfreich sind bei der Wahl des Pseudonyms also zum einen Vergleichsanalysen im Genre, zum anderen Variationen des eigenen Namens. Nehmen wir mal das Beispiel Lisa. Von dem Vornamen gibt es unzählige Variationen aus vielen verschiedenen Kulturkreisen: Liz, Layla, Lilo, Lilli, Luisa, Sissi, Lila, Lisbeth, Alisa und dann noch alle Formen von Elisabeth. Da muss man einiges schreiben, bis man die alle durchhat.

Auch jeder Nachname hat eine Herkunftsgeschichte. Es gibt zum Beispiel verschiedene Theorien, wo mein Nachname herkommt – also mein echter. Von einem Dorf auf der Schwäbischen Alb (Bitz), dem römischen Wort für Zisterne (pucio, durch die Allemannen wurde daraus butzio und später Bütze) bis zum mittelhochdeutschen bitze für Baumgarten oder Grasgarten ist da alles möglich. Für mich ein wahres Füllhorn, wenn ich mich auf die Suche nach einem neuen Pseudonym mache. Elisabetta Pucio, Lilly Butz, Alisa Baumgarten. Schon wieder drei neue Pseudonyme. Eine Abwandlung des eigenen Namens ist immer besser als etwas frei Erfundenes. Zu diesen Kunstnamen baut man als Autor einfach keine richtige Beziehung auf. Auch ein Grund, warum Victoria Seconda vermutlich keine dreiundzwanzig Bücher schreiben wird.

 

Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Lektorin und Ghostwriterin. Was macht eine Ghostwriterin eigentlich?

Als Ghostwriterin helfe ich anderen Autoren, ihre Geschichte zu Papier zu bringen. Manchmal sind das Privatpersonen, denen ein besonderes Schicksal widerfahren ist, manchmal Prominente oder Personen der Öffentlichkeit, die etwas zu erzählen haben. Als Ghostwriterin höre ich mir die jeweilige Geschichte an, entwickle eine Dramaturgie oder ein Konzept und fülle es anschließend mit Inhalten. Meistens führe ich zu diesem Zweck Interviews oder Gespräche, in einigen Fällen gibt es auch schon Geschriebenes, was umformuliert und ergänzt werden muss. Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich – und gerade deshalb so spannend und abwechslungsreich. Klar ist, dass man voll auf einer Wellenlänge schwimmen muss, um derart eng zusammen zu arbeiten. Aber für mich ist es die perfekte Mischung aus dem kreativen Prozess des Schreibens und der betreuenden, eher strukturierenden Lektoratsarbeit, in der man sich noch mehr zurücknimmt und der Geschichte bzw. dem Autor Raum lässt, sich zu entfalten.

 

Lisa Bitzer (*1983) hat ihr Leben lang mit Büchern zu tun gehabt, aber eine Weile gebraucht, um ihr Hobby zum Beruf zu machen. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit 2009 als freiberufliche Lektorin für Belletristik. Seit einigen Jahren schreibt sie auch selbst unter verschiedenen Pseudonymen und als Ghostwriterin. Sie lebt in Landau in der Pfalz.

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