Drei Fragen an … Autorin und Schreibberaterin Gabriele Borgmann

 

Frau Borgmann, welche Vorbereitungen sollte ein Autor treffen, bevor er beginnt, ein Buch zu schreiben?

Am Anfang steht die Inszenierung von Stoff und Wissen. Was im Fiction der Plot, ist im Non-Fiction das Exposé. Neben den Unterschieden im Aufbau geht es am Ende aber in beiden Genres um eines: um Orientierung. Wer am Anfang eines Schreibprojektes strukturiert vorgeht, der schafft eine unerschütterliche Basis. Der hangelt sich an seinem roten Faden entlang wie ein Bergsteiger am Seil. Schritt für Schritt. Seite für Seite. Wenn Sie mich nach einer Taktung fragen, so lautet diese: 1/3 planen, 1/3 schreiben, 1/3 feinschleifen.

Ich möchte das am Beispiel Sachbuch gerne auffächern:

Wie nie zuvor schärft ein Autor während der Planung seine Idee und sein Wissen. Er tritt heraus aus der Routine, besinnt sich auf das Wesentliche und gibt diesem Wesentlichen eine Schreibstimme, indem er sich fragt:

  • Wie lautet meine These?
  • Wie kann ich diese wissenschaftlich begründen?
  • Was sind meine Erfahrungen und Werte, meine ganz eigene Sicht auf die Inhalte?
  • Wie bereite ich das Thema für den Leser auf und was biete ich als besonderen Nutzen? – Und damit rückt der Leser ins Blickfeld.

Während Romanautoren ihre Geschichte mit Raffinesse unterfüttern und während Prosa besticht, blickt der Sachbuchautor auf die Wünsche und Bedürfnisse seines Lesers. Er will Lösungen bieten und Überzeugungsarbeit leisten. Zwar geht der Trend zum Glück zum erzählenden Sachbuch, der Leser aber bleibt im Zentrum des Denkens. Dazu gibt es eine wunderbare Technik: Malen Sie sich Ihren idealen Leser, indem Sie ihm einen Charakter geben.

Was folgt, das ist der Drehplan: Kapitelüberschrift entwerfen, Grobskizze zum Inhalt, also Kernsätze formulieren. So kristallisiert sich das Eigene im Buch heraus, so entstehen Spannungsbogen und roter Faden – beides markiert den Übergang zu Phase zwei, zum Schreiben, Schreiben, Schreiben.

Die Crux ist nur: Durch das ausgiebige Planen ist die Schreiblust verschwunden. Auf der Suche nach einem Impuls empfehle ich das Freewriting – und das geht so:

Nutzen Sie Blatt und Stift und schreiben unter Ihrer Kapitelüberschrift, was immer Ihnen einfällt. 15 Minuten lang. Ohne Pause. Einen Krampf im Handgelenk ignorieren Sie; fehlende Worte überspringen Sie. Es geht nur darum, Freude zu empfinden und dabei die rechte Gehirnhälfte zu triggern. Denn dort wohnt die Phantasie – oft zugeschüttet von Fakten. Durch das Freewriting schaufeln Sie diese Fakten fort und küssen Gedanken an Erlebnisse, an Erinnerungen wach. Packen Sie die aufs Blatt! Nehmen Sie diesen Spirit mit an Ihren Computer und beginnen Sie, Ihr Kapitel im Buch zu formulieren. Nun entsteht Ihr Rohtext, den Sie in einer dritten Phase schleifen hinsichtlich Logik, Ausdruck, Stil und Wahrheit.

 

Immer wieder geht es bei Büchern um die Erzähl-Perspektive. Welche gibt es und wie wähle ich die richtige für mich und mein Buch?

Das ist wohl die schwierigste Frage der Buchwelt. Sachbuch- und Ratgeberautoren wählen meist und völlig zu Recht die Ich-Perspektive, wechseln im Storytelling in die personale. Der Leser ordnet hier dem Autor eine hohe Kompetenz und Glaubwürdigkeit zu. Diese Ich-Perspektive stellt zudem eine Nähe her.

In der Literatur ist es anders. Die Prosa zählt. Da erhält die Ich-Stimme eine Figuren-Bedeutung. Und die personale Stimme darf nicht allwissendend klingen. Kurzum: Ich kann keine allgemeingültige Antwort geben. Probieren Sie aus, wie die Schreibstimme authentisch wirkt, wie Gefühle sich dicht verweben. Fragen Sie einen Testleser. Wenn die Zeilen vom Kopf ins Herz gelangen, dann ist es gut.

 

Hätten Sie drei Tipps für Autoren, die beim Schreibprozess ins Stocken geraten?

  1. Pause machen, aber nur einen Tag.

Raus aus dem Prozess, dem Frust keine Chance geben. Ich halte wenig davon, sich mit Krampf und schlechter Laune durch ein Kapitel zu quälen: Es klappt gerade nicht. Punkt. Lassen Sie Sauerstoff in die Zellen. Ab in die Natur, Spazieren gehen, joggen, durchatmen. In der Bewegung entstehen Geistesblitze und werden Gedankenknoten gelöst. Wichtig bleibt, nach dieser selbstbestimmten Auszeit weiterzuschreiben, um einer Aufschieberitis vorzubeugen.

  1. Zweifel ignorieren.

Angst vor Kritik, Zweifel am eigenen Text, das sind des Autors Feinde. Sobald sich eine gemeine innere Stimme regt und flüstert: „Was du schreibst, reicht längst nicht aus.“ Hören Sie weg! Sagen Sie sich: „Dieser Rohtext, den ich gerade schreibe, der ist sowieso erst die halbe Wahrheit. Später im Feinschliff wird er zum Diamant.“ Diese Haltung gibt dem Schreiben eine leichte Note.

  1. Sich den Bucherfolg vorstellen.

Augen schließen und auf Gedankenreise gehen. Sehen, riechen, schmecken, spüren Sie den Erfolg. Bleiben Sie mit allen Sinnen im Projekt verankert und wünschen Sie sich: Platz 1 der Spiegel-Liste und 1000 Termine zur Lesung.

 

 

Cover

Gabriele Borgmann arbeitet als Ghostwriterin und Autorin für Sach- und Unternehmensbücher, als Positionierungs- und Schreibberaterin für Autoren und   Unternehmer. Ihr Schreib- und PR-Leitfaden „Vom Exposé zum Bucherfolg“ zeigt, wie ein Buch den Weg in einen guten, passenden Verlag, in den stationären und online-Handel finden und sich in den Rankings positionieren kann. Er vermittelt Grundlagen und Techniken für das Entwickeln eines Exposés und für das Gestalten der Skripthase. Mehr unter: www.gabrieleborgmann.com

 

 

 

 

 

www.deintextdeinbuch.de

 

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