Drei Fragen an … Bestseller-Autor Andreas Eschbach

Herr Eschbach, Wie haben Sie Ihren ersten Verlag gefunden?

Ganz, ganz konventionell. Manuskript mehrmals ausgedruckt – sieben Mal, wenn ich mich recht erinnere –, Liste der Verlage erstellt, bei denen ich mir das Buch vorstellen konnte, Manuskripte mit nettem Anschreiben verpackt und hingeschickt. Und immer, wenn eins zurückkam, es gleich wieder rausgeschickt an den nächsten Verlag auf der Liste. Zweiundzwanzig Absagen habe ich auf diese Weise bekommen, von allen wichtigen deutschen Verlagen, auch von allen, bei denen ich später dann doch noch veröffentlicht habe. Aber das war in den Neunzigern. Heute geht das nicht mehr, schätze ich.

 

Sie werden von einer Literaturagentur vertreten. Hatten Sie diese von Beginn an und welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit Ihrem Agenten für Sie?

Die Agentur habe ich erst, seit ich für das zweite Manuskript zwei Angebote bekam und mich von der eigentlich idealen Situation überfordert sah. Damals bekam ich glücklicherweise den Tipp, eine Agentur einzuschalten. Eine gute Agentur zu haben ist eine Win-Win-Situation: Natürlich profitiert die Agentur von mir, über den Prozentsatz an meinen Tantiemen, den sie abziehen, aber ich profitiere in vielfältiger Weise ebenso – von deren Kontakten, deren Erfahrung und davon, dass ich mich um ganz viel Administratives überhaupt nicht kümmern muss, mich also noch besser aufs Schreiben konzentrieren kann. Meiner Überzeug nach ist eine professionelle schriftstellerische Karriere ohne gute Agentur nicht möglich.

 

Hätten Sie drei Tipps für Autoren, die auf der Suche nach einem Verlag oder einer Agentur sind?

Ich bin mir nicht sicher, inwieweit meine Erfahrungen für die heutigen Verhältnisse noch relevant sind, denn es hat sich inzwischen doch viel geändert. Aber da ohnehin jeder Autor letztlich seinen eigenen Weg finden muss, stelle ich mal folgende Tipps in den Raum, die eventuell nützlich sein mögen:

  1. Die Reihenfolge der Vorgehensweise sollte sein: Zuerst nach einer Agentur suchen; erst wenn das nicht klappt, selber nach einem Verlag suchen; erst wenn das auch nicht klappt, selber veröffentlichen. Agenturen eine nach der anderen kontaktieren, Verlage mehrere auf einmal. Die Hinweise zu Manuskripteinsendungen auf den Webseiten der jeweiligen Agentur bzw. des jeweiligen Verlags suchen und bis aufs i-Tüpfelchen befolgen. Und von vornherein auf Absagen gefasst sein!
  2. Falls man Feedback auf das bekommt, was man geschrieben hat (landläufig „Kritik“ genannt), womöglich von Profis: NICHT den eigenen Roman verteidigen, sondern nur gut zuhören und danach überlegen, welche Hinweise sich daraus ziehen lassen, wie man es besser machen kann. Es gibt unverstandene Genies, klar, aber die sollten ihr Genie darauf richten, zu lernen, wie sie sich besser verständlich machen.
  3. Während der Suche nach Agentur oder Verlag am besten schon emsig am nächsten Roman schreiben: Meine Erfahrung ist, dass Kreativität in Aktion am besten die unvermeidlichen Enttäuschungen abdämpft, die mit Absagen verbunden sind.

Und noch einen Bonus-Tipp hätte ich („kaufe 4, zahle 3“):

  1. Ausschau halten nach Literaturwettbewerben und sich daran beteiligen, wenn es irgend geht. Schon so manche Schriftstellerkarriere hat auf diesem Weg begonnen, und selbst wenn man mit einer Kurzgeschichte gewonnen hat, kann es einem passieren, dass sich ein Verlag meldet und fragt, ob man nicht eventuell einen Roman in der Schublade hätte.

 

 

Andreas Eschbach schreibt seit seinem 12. Lebensjahr, studierte später Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete viele Jahre als Berater im EDV-Bereich. 1995 erschien sein erstes Buch „Die Haarteppichknüpfer“, ein mehrfach ausgezeichneter Science Fiction-Roman. Seitdem sind zwölf weitere Romane erschienen, darunter die Bestseller „Das Jesus-Video“ und „Ein König für Deutschland“. Andreas Eschbach schreibt neben seinen Romanen Jugendbücher, zuletzt ist „Aquamarin“ erschienen.

Sehr zu empfehlen: Auf seiner Website www.andreaseschbach.de bietet der Autor interessante Einblicke in die Buchbranche und gibt hilfreiche Schreibtipps.

 

www.deintextdeinbuch.de

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