Drei Fragen an … Buch-Recherche-Expertin Rebecca Ellsäßer

Rebecca, wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen einem Autor und dir?

Ganz gleich, ob es sich um eine Recherche, um Arbeit am Text, die Betreuung eines Buchprojekts oder um Unterstützung im Bereich Selbstvermarktung bzw. um Literaturvermittlung handelt, die Zusammenarbeit beginnt immer mit einem ausführlichen Briefing-Gespräch. Die Idee der Autorenassistenz besteht ja darin, Autorinnen und Autoren individuell bei all dem zu unterstützen, was Verlage und Literaturagenturen nicht für ihre Autoren tun, mit dem Ziel, ihnen den Rücken freizuhalten und ihnen Zeit für das Schreiben zu verschaffen. Während der Zusammenarbeit ist es für mich daher wichtig, genau hinzuhören und sich mit dem Autor und seinem Werk auseinander zu setzen, um ein Gespür zu entwickeln, wonach der Autor sucht bzw. was ihm entspricht und ihn auf seinem individuellen Weg weiterbringt. Manche Autoren kommen mit ganz konkreten Anliegen und haben klare Vorstellungen, wo sie Unterstützung benötigen, andere spüren die Notwendigkeit, in bestimmten Bereichen, etwa in Social Media, aktiv zu werden, sind jedoch unsicher, ob sie das überhaupt leisten können und wollen. Häufig gilt es dann zunächst zu sondieren und gemeinsam eine Strategie zu entwickeln.

Meist handelt es sich um projektbezogene Engagments, aber auch eine längerfristige Begleitung ist möglich, etwa wenn es um die redaktionelle Betreuung und Pflege einer Autoren-Webseite, eines Newsletters, einer Facebook-Fanpage etc. geht. In jedem Fall kalkuliere ich meinen Aufwand und ggf. den meiner Kooperationspartner und erstelle daraufhin ein individuelles Angebot. Während der Zusammenarbeit stehe ich in engem Austausch mit dem Autor. Auch bei Recherchen ist eine Abstimmung zwischendurch sinnvoll, um sicherzugehen, dass man sich auf dem richtigen Recherchepfad befindet und das Dossier, das der Autor am Ende erhält, ihn rundum bereichert.

 

Was macht die Recherche für einen Autor und sein Buch besonders, was gefällt dir daran?

Generell erfüllt mich die Zusammenarbeit mit Autoren mit großer Freude. Gerade bei Recherchen arbeitet man inhaltlich, muss das gefundenen Material präzise und zugleich anschaulich aufbereiten und man ist eng in die Kreation eingebunden. Ich mag das Detektivische und dass Recherchen niemals komplett vorhersehbar sind. Bisher waren außerdem alle Rechercheaufträge thematisch so spannend, dass sie ein wahres Recherchefieber in mir ausgelöst haben. Bemerkenswerter Weise habe ich großteils für belletristische Autoren recherchiert, was, wie ich glaube, besondere Ansprüche stellt. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner formuliert sehr treffend: „Recherchen für Romane folgen eigenen Gesetzen. Man sucht etwas, wovon man nur ahnt, was es sein könnte.“ Dies trifft bei einer Auftragsrecherche sicher nur bedingt zu und doch denke ich, dass es verdeutlicht, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Stoff ist, wie sehr man fähig und gewillt sein muss, in die fiktionale Welt der des Autors einzutauchen.

 

Hättest du drei Recherchetipps für Autoren?

Puh, das fällt mir schwer, weil ich einerseits Gefahr laufe, Banalitäten zu nennen und sicher auch unterschiedliche Recherchemethoden und -techniken ihre Berechtigung haben und zum Ziel führen können. Ich gehe so vor, dass ich eine Vielzahl von Quellen mit einbeziehe (Internet, Bücher, Filme, Archive etc.), so dass sich aus den Puzzelteilen allmählich ein Bild zusammenfügt. Dabei spielen Gespräche mit Experten häufig eine zentrale Rolle, die man nicht selten im erweiterten Bekanntenkreis findet und die man unbedingt direkt vor Ort in ihrem natürlichen (Arbeits- bzw. Lebens-)Umfeld aufsuchen sollte. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass man seine Fragen gezielt stellen kann, sondern auch, dass man unmittelbar sinnlich erfährt, was über die Fakten hinaus für die Geschichte wertvoll sein könnte. Recherchen sind zweifelllos zeitaufwendig, man läuft Gefahr, sich in Ihnen zu verlieren, ohne zu wissen, wieviel von dem, was man zutage fördert, am Ende wirklich im Buch Verwendung findet. Und doch müssen bestimmte Fakten stimmen, damit die Geschichte insgesamt plausibel ist.

Für viele Autoren gehört der Rechercheprozess selbstverständlich zu ihrer Arbeit, sie beschäftigt und begleitet ein Thema monate-, manchmal jahrelang, sie möchten eigene Erfahrungen machen und können sich daher nur schwer vorstellen, eine Recherche aus der Hand zu geben. Für diese Autoren sind Arbeits- und Recherchestipendien, wie sie etwa das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung bietet (http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/1100.asp), ideal. Und wenn dann am Ende die Zeit bis zur Manuskriptabgabe knapp wird oder doch noch ein Aspekt in die Geschichte wandert, der einen Fakten-Check notwendig macht, kann man sich ja Unterstützung holen.

 

Rebecca Ellsäßer hat Romanistik, Philosophie und Politikwissenschaften in Berlin und Paris studiert und nebenher als freie Journalistin gearbeitet. Nach Hospitanzen u. a. bei der Literarischen Welt und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, war sie im Berliner Dittrich Verlag verantwortlich für den Bereich Presse & Veranstaltungen. Im Mai 2014 gründete sie REELL (re-ell.de): „Ich biete Belletristik-, Sachbuch- und Drehbuchautoren individuelle Betreuung in unterschiedlichen Phasen des Schreibens. Mein Ziel ist es, einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, um Autoren in der konzeptionellen, inhaltlichen und sprachlichen Arbeit am Text und insbesondere bei ihren Recherchen zu unterstützen. Darüber hinaus berate ich Autoren in Fragen der Selbstvermarktung.“ 

 

www.deintextdeinbuch.de

 

 

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