Drei Fragen an … die Freie Lektorin Alice Huth

Alice, welches Genre bekommst du als Freie Lektorin am häufigsten auf den Tisch?

Zurzeit sind es erzählende Sachbücher und Ratgeber aus dem weiten Feld der Lebensberatung, dicht gefolgt von Reisebüchern, Krimis und französischsprachiger Literatur.

 

Welche sind deiner Erfahrung nach die wichtigsten Regeln beim Gestalten einer Szene?

Ein Text ist wie eine fremde Landschaft, mit eigenen Farben, Tönen und Klängen, mit eigenen Naturgesetzen und einer eigenen Topographie. Als Lektorin versuche ich, möglichst unvoreingenommen in diese Welt zu treten, ohne eine Landkarte, deren Maßstab anzulegen vielleicht vermessen wäre. Mein Kompass ist zunächst das Gefühl: Finde ich mich in diesem Geschehen, in dieser Szene zurecht? Ist das, was mir begegnet, echt, authentisch? Einen Text zu lesen, muss sein wie eine neue Erfahrung, ein neues Abenteuer, unmittelbar und mitreißend.

Wo Regeln aufgestellt und stur befolgt werden, geht das Überraschungsmoment rasch verloren, das Originelle und Unverhoffte, was Literatur mit ausmacht. Ob eine Szene durch Tempo besticht oder durch eine Erzählstimme, die dich vom ersten Augenblick an einfängt und nicht mehr loslässt, ist zweitrangig. Manche Szenen ziehen ihre Kraft auch aus einer suggestiven Bildlichkeit, einer dichten Atmosphäre, aus dem Dialogischen oder Monologischen, aus dem was gesagt oder auch verschwiegen und nur andeutungsweise vermittelt wird.

Wichtig erscheint mir außerdem die richtige Balance zwischen „Sagen“ und „Zeigen“. Wenn es dem Erzähler / der Erzählerin gelingt, den Leser an der Hand zu nehmen und dann wieder ein Stück Weg alleine gehen zu lassen; ihn zu führen und ihm doch genügend Raum für die Entfaltung der eigenen Phantasie zu lassen, ist diese Balance geglückt.

 

Wie gehst du beim Lektorieren genau vor?

Gerne lese ich drei Mal. Oft lege ich der ersten durchgesehenen und kommentierten Fassung ein Schreiben bei, in dem grundsätzliche Punkte angesprochen werden, beispielsweise Figurenzeichnung und –Psychologie, Erzählhaltung und Handlungsführung. Telefonate und persönliche Begegnungen sind nicht die Regel, können aber sehr hilfreich sein. Dann geht es vor allem darum, Vertrauen aufzubauen und übergeordnete Fragen zu klären.

 

Nach Stationen beim Zürcher Dörlemann Verlag, im Literaturlektorat des dtv und beim Graf Verlag lebt und arbeitet Alice Huth seit 2012 als freie Lektorin und Ghostwriterin in Frankfurt am Main.

Ihre Website: www.alicehuth.de

 

www.deintextdeinbuch.de

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