Drei Fragen an … Rechtschreib-Profi Julian von Heyl

 

Julian, wie kam es zu der Idee für deine Website korrekturen.de?

Die Website korrekturen.de entstand bereits 1998 – das Internet war damals noch in seinen Kinderschuhen, noch längst nicht jedes Unternehmen hatte eine eigene E-Mail-Adresse, geschweige denn eine Homepage. Ich erkannte schnell, dass eine Website das ideale Medium ist für Dienstleistungen, die ohnehin virtuell (in Form von Dateien) ausgetauscht werden. Weiterhin war damals die Rechtschreibreform gerade frisch verabschiedet worden, so dass es ein erhöhtes Interesse und einen großen Informationsbedarf zu orthografischen Fragestellungen gab. Entsprechend gab es schon von Anfang an ein Forum auf meiner Website, das auch ohne große Anmeldeprozeduren allen Fragestellenden offensteht.

 

Gibt es Fehler, die dir regelmäßig – egal, ob in Büchern, Zeitungen oder z. B. auf Plakaten – auffallen?

Ja, natürlich! Genau deshalb habe ich auch 2003 meine Rubrik „Beliebte Fehler“ ins Leben gerufen, in der ich solche Fehler sammle. Zu meinen Favoriten gehört etwa die falsche Großschreibung „Herzlich Willkommen!“ (richtig: „Herzlich willkommen!“) – vielleicht entstanden aus der Ansicht, dass sich in dem großen W eine besonders große Herzlichkeit widerspiegelt. Generell ist eine gewisse Übergeneralisierung der Großschreibung zu beobachten, etwa bei normalen Infinitiven („Ich gehe jetzt Essen“) oder auch bei Adjektiven, die es wortgleich auch als Substantive gibt („Du bist Schuld!“ – „Das tut mir Leid!“).

Ein wahres orthografisches Minenfeld ist auch das Gebiet der Zusammen- oder Getrenntschreibung. Viele scheinen hier einfach resigniert zu haben und reihen Wörter ohne Bindestrich einfach aneinander („Fitness Kurs“); auf der anderen Seite gibt es den besonders von Boulevardzeitschriften forcierten Trend, auch die simpelsten Komposita auseinanderzureißen („Atom-Bombe“, „Massen-Mord“).

Grundsätzlich will ich aber nicht in den larmoyanten Chor derjenigen mit einstimmen, welche meinen, dass es heutzutage viel mehr Fehler als früher geben würde. Durch Blogs und soziale Medien gibt es heute aber viel mehr Leute, die sich öffentlich äußern, ohne sich dabei lange mit den Feinheiten der Rechtschreibung aufzuhalten – und dass insgesamt immer mehr geschrieben wird, ist ja zunächst einmal eher positiv zu bewerten.

 

In Autorenforen lese ich immer, wie unsicher Autoren sind, wenn es um das korrekte Anzeigen wörtlicher Rede geht. Könntest du anhand eines kurzen Dialogs zeigen, welche die wichtigsten Regeln bei wörtlicher Rede sind?

„Warum kommst du nicht einfach vorbei?“, fragte sie.
„Okay“, erwiderte er, „dann bis gleich!“ Er legte den Hörer auf.

In diesen zwei Zeilen lassen sich schon einige Zweifelsfälle erkennen. Die vorangestellte direkte Rede wird vom übergeordneten Satz immer mit Komma abgetrennt, auch wenn die direkte Rede selbst ein Satzzeichen enthält (im Beispiel des ersten Satzes das Fragezeichen). Anders als im Englischen kommt dabei das schließende Anführungszeichen vor das Komma.

Folgt hingegen ein eigenständiger neuer Satz, wird kein Komma gesetzt und es geht groß weiter (Beispiel zweiter Satz). Nach dem Ausrufezeichen und dem schließenden Anführungszeichen wird dann auch kein Punkt mehr gesetzt.

Ein häufiger Fehler im Umgang mit Satzzeichen betrifft die Reihenfolge von Anführungszeichen und Punkt. Wird ein kompletter Satz zitiert, gehört der Punkt zum Zitierten und wird innerhalb der Anführungszeichen gesetzt. Der Minister sagte: „Die Verhandlungen sind leider gescheitert.“ Zitiert man hingegen nur Teile des Gesagten, gehört der Punkt zum übergeordneten Satz: Die Verhandlungen bezeichnete der Minister als „leider gescheitert“.

 

 

Julian von Heyl wurde 1962 in Bonn geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Literaturwissenschaft in Bochum arbeitete er ab 1985 als Musikredakteur für das Ruhrgebietsmagazin MARABO in Bochum, später in freier Mitarbeit als Texter und Korrektor für die Zeitschriften Texte zur Kunst, StadtRevue und SPEX in Köln.

Von 1994 bis 1996 leitete er als Cheflektor die Produktion im ARCUM Verlag in Köln und betreute von 1998 bis 1999 als leitender Redakteur dort den Bereich „Internet und neue Medien“. Zwischenzeitlich war er für ein Jahr als Redakteur bei der PC Praxis in Düsseldorf tätig.

Julian von Heyl arbeitet heute als freier Texter und Buchautor für verschiedene Print- und Online-Medien und leitet als freier Lektor und Korrektor den Korrekturservice korrekturen.de. Er ist Mitglied im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V. (VFLL).

www.deintextdeinbuch.de

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