Drei Fragen an … Vertrags-Expertin Daniela Pusch

 

Frau Pusch, was muss in einem Verlagsvertrag unbedingt geregelt sein?

Autoren neigen dazu, vor der geschäftlichen Seite des Schreibens die Augen verschließen zu wollen. Sie möchten sich am liebsten nur auf ihre Texte und Geschichten konzentrieren und die Verträge und Verhandlungen jemand anderem überlassen, z.B. ihrem Agenten. Verständlich, ich denke aber, dass es wichtig ist, zu wissen, was man unterschreibt, sei es ein Mobilfunkvertrag oder ein Verlagsvertrag. Immerhin geht es hierbei um das eigene Werk und der Verlagsvertrag wird über Jahre hinaus seine Gültigkeit haben und oft schwer zu kündigen sein (wie bei manchen Mobilfunkanbietern.) Man kommt als Autor also nicht Drumherum, sich mit dem Thema Verträge zu beschäftigen, wenn es zu einer Veröffentlichung kommt.

Aber so schwer zu verstehen ist das alles nicht:

Neben der allgemeinen Vergütung, also dem Honorar, muss in einem Verlagsvertrag vor allem zunächst einmal geregelt sein, ob der Vertrag nur für dieses eine Werk oder auch für folgende Werke gültig ist, wie z.B. bei Trilogien und Serien, aber auch bei Mehrbuchverträgen, und Verträgen, die eine Optionsklausel enthalten. Dann ist es ratsam, die Gültigkeitsdauer des Vertrages festzulegen, also die Laufzeit von vornherein auf 5 oder 7 oder 15 Jahre zu beschränken (je nach Verwertungsform) und nicht, wie häufig vorgesehen für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts. Dieses bedeutet nämlich bis zum Tode des Autors und darüber hinaus. In Zeiten des Ebooks sollte der Vertrag klare Bedingungen zur Kündigung enthalten, so dass der Autor, wenn die Printausgabe sich nicht mehr verkauft oder das Werk nicht mehr im Handel erhältlich ist, er die Möglichkeit hat, die Rechte zurückzuerlangen, um das Werk evtl. auf eigene Faust als Ebook oder Print-on-Demand-Ausgabe zu vertreiben. Viele Autoren verkaufen inzwischen ihre Backlist mit großem Erfolg selbst.

 

Und was sollte in einem Agenturvertrag auf jeden Fall drin stehen?

Bei Agenturen gilt ebenfalls, dass vereinbart wird, ob die Agentur den Autor mit allen seinen (zukünftigen) Werken vertritt oder zunächst einmal nur ein bestimmtes Werk (evtl. eines bestimmten Genres) unter Vertrag genommen wird, mit lediglich einer Option auf weitere.

Auch für eine Agentur gibt es Kündigungsfristen.

Agenturen geben in der Regel eigene Verträge an die Verlage heraus, so dass ein Autor, der bei einem Agenten unter Vertrag ist, besser gestellt ist, als ein Autor ohne Vertretung durch eine Agentur.

Aber mit oder ohne Agenten, der Autor sollte verstehen, was im Vertrag drin steht und was in seinem Namen verhandelt wird.

 

Gibt es Standards oder Muster im Internet bzw. wo können Autoren Hilfe finden, wenn Ihnen ein Vertrag vorliegt?

Der Verband deutscher Schriftsteller VS in ver.di und der Börsenverein des dt. Buchhandels e.V. haben gemeinsam einen Normvertrag für den Abschluss von Verlagsverträgen ausgehandelt. Wenn ein Autor einen Vertrag von einem Verlag für sein Werk angeboten bekommt, so sollte er diesen unbedingt mit dem Normvertrag vergleichen, und abweichende Klauseln oder schlechtere Konditionen streichen lassen. Einen Mustervertrag findet man hier: http://vs.verdi.de/recht-urheber/mustervertraege

Der VS bietet außerdem (für seine Mitglieder kostenlos) eine Beratung über das Mediafon an, dort und auf den Seiten http://www.mediafon.net/ findet man Beratung und Hilfe.

Natürlich kann man auch immer einen Rechtsanwalt einschalten, der den Vertrag gemeinsam mit einem durchgeht. Hierbei sollte man darauf achten, einen Anwalt zu engagieren, der auf Medienrecht spezialisiert ist.

Wer sich selbst in die Materie einlesen will, dem empfehle ich das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ aus dem Uschtrin Verlag und mein eigenes Ebook: „Verlagsverträge für Autoren – verstehen und verhandeln“, das aufgrund meiner Erfahrungen in einer Literaturagentur entstanden ist und Autoren eine leicht verständliche Einführung in das Thema bietet.

Schließlich soll es hinterher keine Überraschungen geben, wie bei meinem letzten Mobilfunkanbieter!

 

Daniela J. Pusch ist Freie Lektorin, Autorin und Scriptdoktor. Sie studierte Kostümdesign und im Nebenfach Dramaturgie, und war bei diversen Theater- Film und Fernsehproduktionen tätig und veröffentlichte Kurzgeschichten, die für den Agatha-Christie-Krimipreis nominiert wurden. An der Akademie des Deutschen Buchhandels erwarb sie 2013 ihr Zertifikat zur Freien Lektorin und absolvierte ein Praktikum in einer Literaturagentur. Bekannt als „Literaturkaninchen“ gibt sie Schreibtipps in ihrem Blog http://scriptdoktor.blogspot.de/Mehr über Daniela J. Pusch finden Sie auf www.scriptdoktor.com

 

 

www.deintextdeinbuch.de

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